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Buchpräsentation „Zeitgemäße Pädagogik“

Rückblick auf die Buchpräsentation von A. Schirlbauer, H. Schopf und G. Varelija am 3. Dezember 2018 an der PH Wien.

Bildung ist ein weites Land – die Anspielung auf Schnitzlers Metapher ist kein Zufall. Von einer Psychologisierung der Pädagogik schrieben bereits Oser und Reichenbach 2002. Auch diese Anspielung ist kein Zufall, weil über Bildung – also den Verbindungen und Zusammenhängen von Aneignung und Vermittlung, von Didaktik und Methodik mehr und mehr wie über einen heißen Brei geredet wird, der zusehendst während dieser Rede erkaltet. Über Bildung wird nur mehr in ökonomischen,  ja fast betriebswirtschaftlichen Kontexten gesprochen. Die Outputorientierung wäre demnach das Übel. Das ist sie mit Sicherheit aber nicht. Es kann doch kein Problem sein, wissen zu wollen, was rauskommt. Die Problematik der Chose, wie Alfred es vielleicht sagen würde, liege daran, dass nur mehr jener Teil der Sache geprüft werden könne, der auf seine Prüfbarkeit hin zugerichtet werden konnte.

Varelija, Schirlbauer, Schopf (v.l.n.r.)
G. Varelija, A. Schirlbauer, H. Schopf (v.l.n.r.)

Unser Band folgt der Logik eines Widerspruchs gegen den zeitgeistigen pädagogischen Betrieb. Er reiht sich damit in die zahlreichen Bände ein, die zu diesem Zweck bereits geschrieben wurden. Die versammelte Autorinnen_schaft hatte keinen spezifischen Auftrag, der Furie des Verschwindens, wie dies Hegel einmal formulierte, nach zu gehen.  Ihr wurde lediglich die These, besser der Köder  vom Verschwinden der einheimischen Begriffe ausführlich vorgestellt. Johann Friedrich Herbart sagt 1806, in seiner Allgemeinen Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet: „Es dürfte wohl besser sein, wenn die Pädagogik sich so genau als möglich auf ihre einheimischen Begriffe besinnen und ein selbständiges Denken mehr kultivieren möchte, wodurch sie zum Mittelpunkte eines Forschungskreises würde und nicht Gefahr liefe, als entfernte, eroberte Provinz von einem Fremden aus regiert zu werden.  Nur wenn sich jede Wissenschaft auf ihre Weise zu orientieren sucht, und zwar mit gleicher Kraft wie ihre Nachbarinnen, kann ein wohltätiger Verkehr unter allen entstehen.“

Nun Herbart hat sich nicht geirrt, aber er hat auch nicht Recht bekommen. Eine Pädagogik im herbartschen Begriffsverständnis gibt es heute so nicht mehr, dafür aber umso mehr Konzepte, die herbartianistisch genannt werden können.  Pädagogik ist im Laufe der Jahrzehnte in mehreren Wissenschaftskonzepten mit unterschiedlichen Namen untergekommen, es gibt sie in der Mehrzahl. Die problemgeschichtlichen Fragestellungen aber sind ganz im Sinne Herbarts erhalten geblieben mit dem Unterschied, dass sie vom Zentrum an die Peripherie verschoben werden konnten. Aus diesem Grund kann gefragt werden, ob es diese einheimischen Begriffe noch gibt, ob sie nicht im Gegenteil immer wichtiger würden, man sie also unter Artenschutz stellen sollte. Die Absicht, die damit verbunden werden kann, ist jedenfalls nicht diejenige, ein normatives pädagogisches Deutungsmuster, das uns weniger gefällt, durch ein anderes normatives Muster, das uns gefällt austauschen zu wollen – wir würden vielleicht nicht in allen Fällen widersprechen. Wir verstehen Pädagogik zunehmend als Kritik, die eine methodische und prinzipienferne Leerstelle in den Fundamenten diverser pädagogischer Annahmen auffinden lassen. Wir erleben, folgen wir den Forschungsberichten der bildungstheoretischen empirischen Bildungsforscherinnen, dass es eine  zunehmende Didaktisierung und Methodisierung des Unterrichts geben dürfte, eine, die den bildenden Zugang zur Sache mehr und mehr verstellt. Wir denken, dass diese Argumentation auch auf die Pädagogik als Wissenschaft insgesamt angewendet werden kann. Die zunehmende Überlagerung pädagogischer Grundgedankengänge durch empirische Designs, mache offensichtlich, wie stark und häufig es möglich geworden ist, hart am Wind des pädagogischen Hausverstandes zu segeln, ohne dies bemerken zu müssen.

Wer Prinzipien des Lehrens und Lernens gewissermaßen prinzipienlos empirisch auffindet, hat sprichwörtlich Glück gehabt. Wenn man allerdings die Abkürzung vom Wissen zum schnellen Handeln nimmt, wie dies in einem aktuellen Curriculum genannt wird, dann muss man in Kauf nehmen, dass uns geschichtsloser empirischer Hausverstand immer wieder auch überraschen kann. Die Tragik der Pädagogik als Bildungswissenschaft dürfte daher u.a. darin liegen, dass sie sich von Zeit zu Zeit neu erfinden muss, ohne zu bemerken, dass sie in ihrem Kern immer die gleiche bleiben müsste, wollte sie noch eine Pädagogik sein.  Was pädagogisch Sache ist, ist immer zeitgemäß, wenngleich die Analyse sich daran zu erkennen gibt, dass sie unzeitgemäß formuliert ist. Diese Analyse kommt gewissermaßen immer um einen Deut zu spät, sie klingt reaktionär im Befund  ist aber idealistisch in der Perspektive. Der Schutz vor Besserwisserei ist noch immer Wissen, wenn man Adorno zu Hilfe ruft. Der Schutz vor Vereinnahmung ideologischer Zwecke und politischer Absichten ist immanente Ideologiekritik und rückhaltloses Denken, wie dies Ballauff einst formulierte. Parrhesiastisch denken heißt in diesem Sinn kritisch Wahrheit sprechen wollen, vielleicht anecken, aber mit Sicherheit ins Denken bringen, weil weniger gedacht wird als gedacht aber auch mehr gemacht wird als gedacht (Reichenbach). Es bedarf neben diesem Wahrsprechen jedenfalls auch eines Gegenübers, das diese Wahrheit als wahr akzeptiert. Das ist der Haken. Der Gegenstand der Pädagogik ist immer noch Erziehung und Unterricht, zwei Seiten ein und derselben Medaille. Es wurde  vorhersehbar, dass diese Medaille einmal vom sich  bildenden Subjekt zu Gold gemacht und zu Markte getragen werden muss. Zeitgemäße Pädagogik,  die sich dieser Verwertungsidee und -logik des Menschen unterordnen würde, wäre keine Pädagogik mehr, ganz gleich, ob sie noch so genannt würde. Zeitgemäße Pädagogik erkennt man vielleicht daran, dass sie im jeweiligen Zeitpunkt den Problemstand ihrer Geschichte  in Erinnerung bringt. Daher sind sämtliche Begriffe nur durch methodische Prüfung grundlagenprägend. Sie rücken durch diese Prüfung in die Nähe zur sokratischen Methode, als halt- und rückhaltloses Aufklären, das einem theoretischen Auftrag verpflichtet ist und über diesen indirekt die pädagogische Praxis erreichen kann, aber nicht soll und schon gar nicht muss.

Mit einer solchen Grundlagenforschung im weiteren Sinn haben wir es im Buch „Zeitgemäße Pädagogik“ zu tun. Sie ist eine, die sich nicht dem Faktischen anbequemt, wie Fischer dies nannte, die das Faktische nicht zum Fundament  und zum pädagogisch Sein-Sollenden und Herrschenden avancieren lässt. Da wir es hinreichend belegbar mit einer solchen Praxis wenig zu tun bekommen, wenn wir die pädagogische Agora skeptisch durchwandern, kann  unser Buchtitel samt und sonders als Spielart der Ironie gelesen werden.

A. Schirlbauer, H. Schopf, G. Varelija
 

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