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Positionen – Vortrag von Prof. Käte Meyer-Drawe (Universität Bochum)

Rückblick auf die Veranstaltung Positionen vom 29. April 2019

Bildung in der digitalisierten Gesellschaft

 

Dr. Schopf, Prof. Dr. Meyer-Drawe
Dr. Schopf, Dr. Meyer-Drawe (v.l.n.r.)

Frau Meyer-Drawe teilt ihren Vortrag thematisch in drei Abschnitte: Sie beginnt mit dem Thema „Lebensort als Internet“, spricht zweitens zum Thema: „Unter Kuratell von Medien“ und wendet sich resümierend dem Thema „Bildung als Erfahrung“ zu. 

Medien sind Spielfelder narrativer Verständigungskultur, so Meyer-Drawe, die zu einer Homologisierung der wechselhaften Wahrnehmungsmöglichkeiten tendieren. Das Internet werde dabei gleichsam zu einem „Abstellraum“, in dem die Sehnsucht nach Resonanz bedeutsam sei. „Was halten andere von uns?“, lautet dabei die leitende Frage. Was wisse man über den Einfluss von Influencern, deren hauptsächliches Geschäft die Beratung, zB zum Schminken wäre? Die digitale Selbstvermessung, die „Selbstverwanzung“ wären dann die subjektiven Folgekosten, die man mit seiner Teilhabe an sozialen Netzwerken sich selbst in Rechnung stellen müsse.

Im zweiten Teil ihrer Ausführungen moniert Meyer-Drawe, dass in der ständig präsenten Debatte über digitale Medien, der Begriff der Digitalisierung auf bedrückende Art und Weise ungeklärt bliebe. Jede Sparte der Gesellschaft verstünde unter diesem Begriff schließlich Unterschiedliches. Sie folgere daraus, dass die allgemeine Rede von der Digitalisierung die eigentliche Aufgabe verstelle. Der Mensch indes gewöhne sich an digitale Umgebungen, an smarte Geräte. Vom Fitnessband bis hin zum Armaturenbrett des Autos komme es zu einem ständigen Austausch von Daten. Mit dem Smartphone aber habe der Mensch neue Möglichkeitsformen dazugewonnen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Diese Formen würden aber auch negative Folgen zeitigen, im Lichte der Warnungen über vermehrtes Mobbing im Netz. Das Digitale böte demnach für soziale Desintegration den idealen Boden, weil es weder einen Trost des Vergessens, noch eine Scham gegenüber der Erniedrigung gebe. Der Spaß am Kummer anderer gehe mit einem Schwund an Toleranz einher. Ohne diese Virtualität des Ortes und ohne Anonymität der Personen gäbe es wesentlich weniger Beleidigungen und Übergriffe im sozialen Miteinander.

In ihrem dritten Teil sprach Meyer-Drawe über Bildung in der digitalisierten Gesellschaft. Die freiwillige Einverständniserklärung seiner Selbstvermessung  mache den Menschen nicht freier und sozialer, sondern unfreier und unsozialer. Die Selbstbestimmung weiche einer immer spezialisierter und raffinierter werdenden Fremdbstimmung, von der der Mensch immer weniger merken soll. Bildungsprozesse hingegen wären in gänzlich anderen Spären anzusiedeln, sie seien virtuell nicht splitbar, sondern auf einen Anderen verwiesen. Mit dem Anderen und mit sich selbst widerspruchsfrei ins Denken zu kommen, hätte eine Rufweite zu Bildung. Die Beschreibung der Differenz von Erlebnis und Erfahrung, hier als reflektiertes Geschehen erweitert, bildete dabei die Hintergrundfolie  eines solchen Bildungsprozesses ab und gleichsam den Abschluss dieses Vortrages.  

Der Vortrag machte darauf aufmerksam, dass der Gebrauch der öffentlichen Vernunft nicht allein in Vorträgen für ein akademisches Publikum reserviert ist, sondern die angeregte Diskussion zeigte auf, dass wir vermehrten Redebedarf hätten, wenn es in der LehrerInnenbildung um Bildung und Digitale Medien geht. 

Zusammengefasst von Heribert Schopf

 

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