Bericht Referat Dr. Richard A. Kwizda

Dr. Richard Kwizda ist in fünfter Generation in führender Position im Arzneimittel- und Pflanzenschutzmittelbetrieb Kwizda tätig. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist er auch stellvertretender Obmann der Sparte Industrie Wien der Wirschaftskammer Österreich. Die Wiener Industrie umfasst etwa 2750 Betriebe, in denen 55.000 Menschen beschäftigt sind, wovon weitere 200.000 Arbeiter/innen indirekt involviert sind.

REFERAT DR. RICHARD A. KWIZDA

Zunächst die Fakten: Die Wr. Industrie führt alle zwei Jahre eine Bildungsbedarf-Analyse durch, zuletzt 2013. Der Status: es gibt 1250 Lehrlinge. Über die letzten 7 Jahre stellt sich zunehmend heraus, dass das Niveau der Lehrlinge nicht ausreichend bzw. nicht zufriedenstellend  ist, was schon beim Faktor Lesen/Schreiben beginnt.

Etwa 50% der befragten Unternehmen (die 90% der Beschäftigten vereinen) sagen, das Niveau ist noch schlechter geworden. Die Konsequenz: Lehrlingsstellen können zu einem Viertel nicht besetzt werden. Ein unbefriedigender Zustand für die Industrie. Was die HTL-Absolvent/innen betrifft, so gibt es nur Lob für diese. Die Ausbildung wird als sehr gut und praxisnah bewertet, die Absolvent/innen empfinden eine höhere Leidenschaft - möglicherweise spielen auch Entlohnung und Aufgabenstellung diesbezüglich eine gewisse Rolle.

Welche Anregungen werden in der Bildungsbedarfs-Analyse vorgeschlagen? Zunächst einmal, was schwierig ist, die Grundkenntnisse zu bessern. Lesen und Schreiben müssen in der Schule so unterrichtet werden, dass ein ausreichendes Niveau vorhanden ist. Am zweitwichtigsten ist, dass der Praxisbezug vorhanden ist. Die Lehrer/innen sollten für einige Tage im Jahr in die Betriebe gehen, um das Praktische in den Unterricht einbinden zu können. Natürlich muss die Industrie von der Notwendigkeit dieses Engagements überzeugt werden, was aber möglich sein wird.
Die Ausbildung der Pädagog/innen und die Eigenverantwortung der Schüler/innen waren weitere Punkte, die zu einer positiven Veränderung beitragen sollen. Weiters soll auch die soziale Kompetenz der Schüler/innen gefördert werden.

Kwizda selbst hat ca. 1100 Mitarbeiter/innen und bildet derzeit 10 Lehrberufe aus. Unter den Beschäftigten befinden sich 13 Lehrlinge. Auch von unseren Personalchefs wird festgestellt:

  1. Es wird zunehmend schwieriger, ausgebildete und interessierte Mitarbeiter/innen zu bekommen. Das Engagement, sich selbst weiter zu bilden, ist begrenzt.
  2. Wir fordern aber nicht nur Fach-Knowhow, sondern auch das Unternehmens-Knowhow soll vermittelt zu werden: Vision, Mission und Werte des Unternehmens.
  3. Um den Lehrling später nicht zu verlieren, ist es wichtig, einen Karrierepfad anzubieten. Die Chancen, sich nach oben arbeiten zu können, müssen da sein, zum Beispiel um die Matura nachzumachen zu können und eine Apotheke zu leiten. Auch unser jetziger Geschäftsführer hat als Lehrling im Unternehmen begonnen.

Die Erwartungen Kwizdas an Schulen und Berufsschulen lassen sich auf folgende Punkte reduzieren:

  • Grundlegende Ausbildung in Rechtschreibung, Grundrechnungsarten und Allgemeinwissen.
  • Neugier: Förderung der intrinsischen Motivation, der Begeisterung, sich mit Neuem zu beschäftigen - durch die Vermittlung, dass Lernen und Wissen Spaß machen sollen. 
  • Der Einsatz des Einzelnen schafft Erfolg, das selbstständige Arbeiten und Lernen muss daher gefördert werden, es soll über den Tellerrand hinaus geschaut werden – eine dringende Forderung in dieser unserer globalisierten Welt.

 

 

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