Graduierungs-Feier 2016

Am 30. Juni 2016 fanden die Abschlussfeiern des IBB statt.

Den Studenten und Studentinnen der Fachbereiche Ernährung, Mode und Design und Information und Kommunikation (10 Uhr), der Technik und des Gewerbes (13 Uhr) und der Dualen Berufsausbildung wurden in einem feierlichen Akt durch Vizerektorin Barbara Huemer, Institutsleiterin Getrude Grabner und die Studiengangskoordinatoren und -koordinatorinnen der unterschiedlichen Fachbereiche, begleitet von Musik, ihre BAC-Titel und andere Diplome verliehen.

Fotos Graduierungsfeier 2016 Technik und Gewerbe

Fotos Graduierungsfeier 2016 Duale Berufsausbildung

 

Rede Gertrude Grabner, Leiterin des Instituts für Berufsbildung

Liebe Absolventen und Absolventinnen, liebe Freunde und Angehörige!

Wir leben in schwierigen Zeiten. Alles verändert sich. Wir leben in einer Zeit, in der die Wahl des Bundespräsidenten dafür sorgt, dass es einen neuen Bundeskanzler gibt. In einer Zeit, in der die Kluft zwischen Habenden und Nichthabenden größer wird. In einer Zeit, die immer höhere Anforderungen in punkto Bildung stellt, um einen Job zu bekommen. In einer Zeit, in der Tausende Menschen von einem Kontinent zum nächsten ziehen, um menschenwürdig leben zu können.

Für viele ist es möglich, ihr Leben so weiter zu führen wie bisher – und das ist gut so. Als Lehrer und Lehrerin aber stehen sie im Zentrum der Veränderungen. Sie spüren die Auswirkungen der Politik direkt im Klassenzimmer. Sei es durch mangelhafte Ausstattung in der Schule, weil kein Geld da ist. Sei es durch die Anzahl der Schüler und Schülerinnen. Sei es durch die Anzahl der Stunden, die für ihren Gegenstand zur Verfügung stehen. Sei es auch dadurch, dass Sie plötzlich in einer Klasse mit Schülern und Schülerinnen stehen, die sehr nette, intelligente Menschen sein können, aber unser Alphabet oder unsere Sprache nicht beherrschen.

Was tun, wenn das der Fall ist? Ihnen bleiben immer noch ihre Grundkompetenzen und ihre Erkenntnisse aus dem jahrelangen Umgang mit Schülern und Schülerinnen.

Schüler und Schülerinnen wollen lernen, wenn man es ihnen nicht unnötig schwer macht. Sie lernen noch lieber, wenn es eine persönliche Beziehung zur Lehrkraft gibt. Oder wenn sie verstehen, wozu sie etwas lernen. Und sie sind stolz, wenn sie etwas verstanden und richtig angewendet haben. Und dann zur nächsten schwierigeren Stufe übergehen.

Es ist nicht schwer, eine persönliche Beziehung zu Schülern und Schülerinnen aufzubauen. Oft reicht es, zuzuhören und empathisch zu sein. Empathie: das Mitfühlen mit jemandem. Es bedeutet nicht zu wissen, was der andere besser machen könnte. Das wird nicht verlangt. Es bedeutet nur: ich kenne jetzt deine Gefühle und ich verstehe, warum du so fühlst. Allein das kann bereits bewirken, dass ihr Schüler oder ihre Schülerin in ihnen etwas Besonderes sieht: einen Menschen, dem er nicht egal ist. Einen Menschen, dem er vertrauen kann.
Was wollen wir von unserer nächsten Umgebung? Verständnis, Rücksichtnahme, mitunter Hilfe, Freundlichkeit. Warum sollten unsere Schüler und Schülerinnen also etwas anderes wollen? Gibt es einen Grund, ihnen das zu verweigern? Weil sie frech sind und unwillig, könnte man einwenden. Darum gebe ich ihnen etwas anderes: Disziplin, Härte, Ordnung, Fleiß. Vielleicht. Aber warum sind sie frech? Warum sind sie unwillig? Was steckt dahinter? Und vor allem: Will ich mich auf das Niveau eines 15jährigen begeben und Gleiches mit Gleichem vergelten? Der Schüler ist frech, also bin ich genauso frech? Nein. Ich bin älter, erfahrener, klüger, besser ausgebildet. Der Schüler ist frech? Ich bleibe freundlich und höflich. Warum? Weil ich Vorbild sein möchte. Weil ich zeigen will, welche Werte in meiner Klasse herrschen sollen und welche nicht. Meistens kann ich das schaffen, manchmal nicht. Wenn ich scheitere, werden die Schüler und Schülerinnen sagen: Na gut, heute hat Frau Grabner keinen guten Tag, aber sonst … Trauen wir unseren Schülern und Schülerinnen zu, dass sie erkennen, wenn sich jemand um sie bemüht. Wenn jemand Kontakt zu ihnen halten möchte und sie als Mensch wahrnimmt. Dadurch werde ich selbst als Mensch wahrgenommen und nicht nur als Lehrerin oder Lehrer. Oder schlimmer noch: als Vorgesetzter oder Vorgesetzte.

Als Lehrer und Lehrerin stehen sie mitten im Spannungsfeld zwischen verschiedenen Kräften: Schülern und Schülerinnen, Kollegen und Kolleginnen, der Direktion, dem Stadtschulrat oder Landesschulrat, der Politik. Und Sie haben eigene Bedürfnisse. Sie werden nicht allen Erwartungen gerecht werden können. Vielleicht ist die wichtigste Antwort, über die Sie verfügen sollten: „Nein, danke!“ Das bedeutet nicht, dass Sie sich abkapseln sollen, untergehen und zum unauffälligen Mitläufer werden. Nein, es bedeutet, dass Sie sich vorher im Klaren sein sollen, welche Ziele Sie verwirklichen wollen. Und daran halten Sie fest. Wenn Sie denken, dass ihnen etwas zu viel wird, dann muten Sie es sich nicht zu. Studien zeigen, dass Lehrer eine Berufsgruppe sind, die einer besonders hohen psychosozialen Belastung ausgesetzt ist.  Sie haben eher Schlafstörungen, Depressionen und chronische Angstzustände. Verschiedene Faktoren sorgen dafür, dass die Situation am Arbeitsplatz schnell belastend wird: zu viel Arbeit; unzureichende Belohnung für Engagement; keine Gemeinschaft; Ungerechtigkeit und Widersprüche.
Sie können vielleicht nicht auf alles davon Einfluss nehmen, aber Sie können versuchen, andere für ihren Einsatz zu loben. Sie können versuchen, gemeinschaftliche Erlebnisse herbeizuführen. Sie können versuchen, gerecht zu sein. Sie können versuchen, so zu handeln, wie sie reden und damit keinen Zwiespalt aufkommen zu lassen. Wenn Sie das machen, wird ihre Umgebung geneigt sein, dasselbe zu tun. Sowohl Schüler und Schülerinnen wie Kollegen und Kolleginnen. Wenn sie das machen, tragen Sie dazu bei, dass das Leben der Leute um Sie herum besser wird. Sie tragen dazu bei, dass ihr eigenes Leben besser wird.

Wir leben in schwierigen Zeiten und sie werden in absehbarer Zeit nicht einfacher. Sie haben einen schwierigen Beruf, aber auch einen Beruf, der Freude, Gemeinschaft und Wissenszuwachs mit sich bringt. Lehrer und Lehrerin zu sein bedeutet ja nicht nur, dass ich anderen etwas beibringe, sondern dass ich selbst auch lerne. Wieviel und was ich lerne, liegt bei mir. Das ist eine Frage von Offenheit und Wollen. Aber wenn alles zusammenkommt: Offenheit, Wollen, Empathie, Lob, der Wille zur Gerechtigkeit, Einklang mit sich selbst, dann ist es ein großartiger Beruf, der Sie für den Rest ihrer Laufbahn ausfüllen und erfüllen wird.

Ich wünsche ihnen viel Glück für ihre Zukunft. Seien Sie gut zu sich und gut zu anderen.  Vielen Dank!

 

Fotos der BAC-Feier für die Fachbereiche Ernährung, Mode und Design, Information und Kommunikation

  • BAC 30 06 2016 E IK MD 1
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 10
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 100
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 101
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 102
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  • BAC 30 06 2016 E IK MD 105
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  • BAC 30 06 2016 E IK MD 108
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 109
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 11
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 110
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 111
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 112
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 113
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 114
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 115
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  • BAC 30 06 2016 E IK MD 118
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  • BAC 30 06 2016 E IK MD 59
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 6
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 60
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 61
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 62
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 63
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 64
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 65
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 66
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 67
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 68
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 69
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 7
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 70
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 71
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 72
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 73
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 74
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 75
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 76
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 77
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 78
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 79
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 8
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 80
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 81
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 82
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 83
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 84
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 85
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 86
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 87
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 88
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 89
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 9
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 90
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 91
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 92
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 93
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 94
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 95
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 96
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 97
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 98
  • BAC 30 06 2016 E IK MD 99

 

Text und Fotos: Dr. Jürgen Neckam

© Pädagogische Hochschule Wien | Grenzackerstraße 18 | 1100 Wien

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