Bericht Lehrausgang "Chapeau! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes"

Das 5. Semester des Fachbereichs Mode und Design widmete sich dieses Jahr in den Lehrveranstaltungen „Entwurfstechnik und –methodik“ und „Produktgestaltung“ einem Thema, welches aktueller nicht sein könnte: der Kopfbedeckung.

Passenderweise zeigte das Wien Museum bis Ende Oktober 2016 eine Ausstellung zu diesem Thema: „CHAPEAU! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes“. Schon bevor wir die Ausstellung besuchten, versuchten wir uns genauer mit diesem doch sehr komplexen Thema auseinander zu setzten.

Die Bedeutung des Hutes bzw. der Kopfbedeckung ist wesentlich vielschichtiger, als es der erste Blick vermuten lässt. Hüte sind weit mehr als nur der Schutz gegen unliebsames Wetter. Sie sind ein modisches Statement, sie verändern den Blick auf den Körper des Trägers oder der Trägerin und sie haben bis in die Gegenwart hinein eine politische und / oder religiöse Bedeutung. Einerseits durch ihr Vorhandensein, wie es der auffällige Turban der Sikhs deutlich macht. Dieser drückt nicht nur religiöse Zugehörigkeit aus, sondern hat auch eine Bedeutung, die in das Politische und Arbeitsrechtliche hineinspielt: So ist es englischen Sikhs, die im Polizeidienst stehen, erlaubt, ihre Turbane auch im Dienst zu tragen. (Seit 2015 dürfen Sikhs dies an allen Arbeitsplätzen in England, also auch auf Baustellen, wo Helmpflicht gilt – die einzige Ausnahme sind Arbeitsplätze mit hohem Risiko. [vgl. Quelle, 17. 11. 2016]) Auch die Abwesenheit einer Kopfbedeckung bzw. der Haare kann Bedeutung haben: Skinheads definieren sich äußerlich durch ihre Stoppelglatze. Charakteristische Kopfbedeckung, die mit dem Arbeitsplatz verknüpft sind, gibt es in der Küche, bei der Polizei, beim Militär, am Bau oder in der Lebensmittelindustrie.

Das Wien Museum fängt mit der Ausstellung die Vergangenheit und Gegenwart des Hutes auf. So konnten wir die gesellschaftliche, politische und religiöse Geschichte unserer westlichen, aber auch anderer, Kulturen am Beispiel Hut erleben.
Interessant war es, den Spagat zwischen Hut als Accessoire und politisches oder religiöses Mittel zu entdecken. Spannend war die Aufbereitung des Themas Hut als sozialpolitisches und gesellschaftliches Statement, so wurde die Komplexität von Hut und Kopfbedeckung noch einmal bewusster gemacht. Auch heute noch definiert die Kopfbedeckung bestimmte Merkmale einer Person. Dementsprechend sorgte es für großes Aufsehen, als Marlene Dietrich in der Zwischenkriegszeit Zylinder trug, eine bis dahin eindeutig den Männern vorbehaltene Kopfbedeckung.  

Unterteilt war die Ausstellung in folgende Themen: Politik, Beruf, Religion, Frauen, Wien. Wie wichtig Wien und seine Modistinnen und Modisten für die Geschichte des Hutes waren, lässt sich mit Hilfe der Ausstellung nun leichter begreifen. Besonders im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts existierte in Wien eine überaus lebendige Hutproduktion, von der nur noch wenig geblieben ist. Immerhin: Die Modeschule Hetzendorf ist die einzige im deutschsprachigen Raum, die eine Modistenausbildung anbietet. (vgl. Quelle, 17. 11. 2016)

Der Hut hat auch in der Sprache seine Spuren hinterlassen: in Redewendungen wie „vor Jemandem den Hut ziehen“ oder „den Hut nehmen“ oder in Liedern wie „Mein Hut, der hat drei Ecken“ – drei Ecken sind es übrigens, weil damit ein Dreispitz gemeint war. (vgl. Quelle, 17. 11. 2016)

Weiterführende Infos:
Der Katalog zur Ausstellung: „Chapeau! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes“

Text: Studentinnen des 5. Semesters des Fachbereichs Mode und Design, Dr. Jürgen Neckam