Lehrausgang Österreichische Nationalbibliothek und "Das fröhliche Wohnzimmer"

Die Studenten und Studentinnen des Lehrgangs für Deutsch und Kommunikation am Institut für Berufsbildung besuchten am 8. November 2016 die Österreichische Nationalbibliothek und den Verlag „Das fröhliche Wohnzimmer“.

Die Österreichische Nationalbibliothek kann sich auf spätmittelalterliche Anfänge berufen. Das von ihr beherbergte älteste Buch ist das Evangeliar des Johannes von Troppau aus dem Jahr 1368. Als eigenständige Institution existiert die Nationalbibliothek seit 1575. (Quelle, 17. 11. 2016) Die Nationalbibliothek ist verpflichtet, sämtliche österreichischen Druckerzeugnisse aufzubewahren, gleichzeitig sind Verlage und andere Unternehmen verpflichtet, eine entsprechende Menge ihrer Produkte an die Nationalbibliothek und andere Bibliotheken abzuliefern.
Die Welt des Buches hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert: Digitale Medien sind hinzugekommen, alte Bücher und Zeitungen werden laufend – teilweise in Zusammenarbeit mit Google – digitalisiert und so der Öffentlichkeit unentgeltlich auf leicht erreichbare Weise zur Verfügung gestellt, z. B. im Projekt ANNO (AustriaN Newspapers Online), das alte Zeitungen über das Internet einsehbar macht, beginnend mit einer Ausgabe der Fugger-Zeitung vom 24. Januar 1568. Auch die „Wiener Zeitung“, die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt, wird gesammelt. Die älteste Ausgabe stammt vom 8. August 1703 und trug noch den Namen „Wiennerisches Diarium“.

Den Studenten und Studentinnen wurden beim Lehrausgang Recherchemöglichkeiten gezeigt und beschrieben, dazu die Ausgabestellen der diversen Bücher, das Transportsystem der Bücher, die in kleinen Behältern auf einer Art Fließband durch Gänge und Stockwerke fahren und schließlich das Magazin, in dem endlose Reihen von leicht verschiebbaren Bücherregalen aus Metall das Bild prägen. Um die Bücher im Falle eines Brandes vor den Flammen zu schützen, darf kein Wasser verwendet werden, sollte es brennen, wird der Sektor des Magazins, in dem es zu brennen begonnen hat, dicht gemacht. Dieser Abschnitt wird daraufhin mit einem speziellen Gas geflutet, das die Flammen erstickt, für Menschen allerdings unschädlich ist.

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Im Anschluss an den Lehrausgang in der Nationalbibliothek wurden die Studenten und Studentinnen von Ilse Kilic in „Glücksschweinmuseum und Wohnzimmergalerie“ in der Florianigasse im achten Wiener Gemeindebezirk empfangen. Ilse Kilic ist ebenso wie ihr Lebenspartner Fritz Widhalm Autorin und Gründerin des Verlags „Das fröhliche Wohnzimmer“. Der Verlag hat seit den 1980er-Jahren über hundert Publikationen herausgebracht und spezialisiert sich auf Literatur, die aufgrund ihrer Eigenart wenig Chancen hat, bei einem Massenpublikum reüssieren zu können und dies auch gar nicht beabsichtigt. Kilic, die eine Ausbildung als Sonderpädagogin absolvierte, diesen Beruf aber über das Praktikum hinaus nicht ausgeübt hat, arbeitete lange Zeit im Büro und der Leitung der 1973 von Ernst Jandl initiierten Grazer Autorinnen Autorenversammlung, dem größten Schriftsteller- und Schriftstellerinnenverband Österreichs. Mit nun 58 Jahren kann sie auf eine lange Reihe von Buchveröffentlichungen (vor allem im Ritter Verlag) zurückblicken, auf Arbeiten für das Radio, zahlreiche Filme, CDs und ihre mit Fritz Widhalm gestaltete Sendung auf Okto. Ihre Zeitschrift „Das Wohnzimmer“ (deren 50. Ausgabe auch die letzte war) trug den Untertitel „Zeitschrift für unbrauchbare Texte und Bilder“ und grenzte sich so von als wichtig gebärdenden Zeitschriften wie „Wespennest“ ab (die den Untertitel „Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder“ führt).

Kilic ging gern und ausführlich auf die Fragen der Studenten und Studentinnen ein. Sie erklärte ihre Art des Schreibens, ihre Inspiration dazu, wie lange es dauert, ein Buch zu verfertigen, wies auch auf die immer noch prekäre Situation der meisten Schriftsteller und Schriftstellerinnen in Österreich hin. Ihr Laden in der Florianigasse, von außen ein alter Damenfrisiersalon, beinhaltet das Glücksschweinmuseum, dessen Exponate nicht verkauft werden – im Gegensatz zu Publikationen des Wohnzimmer-Verlages und den Büchern befreundeter Autoren und Autorinnen. Der Laden, so Kilic, wurde nach jahrelangem Wünschen gemeinsam mit Fritz Widhalm realisiert und sei wie alles, was „Das fröhliche Wohnzimmer“ betreibt, finanziell ein Nullsummen-Geschäft. Sieht man sich im Laden um, wird die erstaunliche Kreativität von Kilic und Widhalm deutlich, deren unzählige Gemälde und Zeichnungen an den Wänden erworben werden können, aber auch der unglaubliche Fleiß und (auch finanzielle) Einsatz, mit dem beide über drei Jahrzehnte hinweg konsequent ihre künstlerischen Ideale gelebt und vielen Autoren und Autorinnen gleichzeitig eine Veröffentlichungsmöglichkeit geboten haben.

Weitere Infos:
Glücksschweinmuseum und Wohnzimmergalerie haben dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 15:00 – 18:30 Uhr geöffnet. Adresse: Florianigasse 54, 1080 Wien.

Text und Fotos: Dr. Jürgen Neckam