Lehrausgang Esperanto-Museum und Kosmos Theater

Die drittsemestrigen Studenten und Studentinnen des Deutsch- und Kommunikationslehrgangs des IBB an der PH Wien besuchten bei ihrem Lehrausgang während der späten Nachmittags- und Abendstunden des 19. Oktober 2017 zwei Stationen.

Der erste Teil des Lehrausgangs führte in das innerstädtische Wiener Palais Mollard, wo das Esperanto-Museum untergebracht ist. Esperanto ist eine sogenannte Plansprache, eine Sprache, die nach Gesetzmäßigkeiten entworfen worden ist und es so allen Menschen erleichtern soll, diese zu lernen. Der zentrale Gedanke dahinter ist natürlich jener der globalen Verständigung und dessen mögliche politische Auswirkungen: Können alle Menschen auf der Welt miteinander reden, werden sie zusammenhalten und keine Konflikte haben bzw. diese verbal und nicht durch Gewalt austragen.

Es ist unklar, ob diese Gedanken folgerichtig sind. Die Zahl der aktiven Esperanto-Sprecher und –Sprecherinnen ist vermutlich nie über eine sehr niedrige Millionenzahl an Menschen hinausgegangen (zunächst waren der überwiegende Großteil davon Russen und Russinnen), Esperanto ist auch in keinem Land eine anerkannte Amtssprache. Schätzungen, wie viele Sprecher und Sprecherinnen es derzeit gibt, sind kaum zulässig, es dürften etwa um die 100.000 weltweit sein. Immerhin gibt es etwa 2000 Muttersprachler- und sprachlerinnen.
Trotz der relativ kleinen Anzahl an tatsächlich Esperanto Sprechenden wurden die Esperantisten sowohl von den Nationalsozialisten wie auch von den Kommunisten unter Stalin verfolgt. Eine Sprache, deren Hintergrund auf dem Gedanken der Völkerverständigung basiert, war in diktatorischen Systemen nicht erwünscht.
Der Höhepunkt der österreichischen Esperantobewegung fand in den 1930er-Jahren statt, als Esperanto in der Arbeiterbewegung Fuß fassen konnte und besonders unter Lehrern und Lehrerinnen vertreten war. Ein Zeugnis dieser Epoche ist der 2017 wieder aufgelegte und erstmals ins Deutsche übersetzte Roman „Turmstraße 4“ von Hans Weinhengst, der ein schonungsloses Bild der düsteren Jahre der Arbeitergesellschaft im Wien der Zwischenkriegszeit, geprägt von Armut und Hoffnungslosigkeit, zeichnet. Weinhengst, 1906 in Niederösterreich geboren, gehörte zu den wichtigsten Vertretern der Arbeiter-Esperanto-Bewegung und kämpfte im Widerstand. 1945 starb er in Berlin.

Da sich das Globenmuseum nur einen Stock über dem Esperantomuseum befindet, statteten die Studenten und Studentinnen auch diesem einen Besuch ab und lernten so die Geschichte der Vermessung der Welt anhand anschaulicher Beispiele kennen. Jene Vermessung der Welt stellte die Naturwissenschaftler und Geographen bereits in der Antike vor Probleme, die bis heute schwer zu lösen sind. Die Frage, wie eine korrekte zweidimensionale oder dreidimensionale Darstellung der Erde auszusehen hat, ist bis heute nur unzureichend beantwortet. Verblüffend ist, dass die Hersteller von Globen über Jahrhunderte hinweg nicht nur die Darstellung der Erde interessierte, sondern auch die Darstellung des Sternenhimmels mit seinen Tierkreisen und den Laufbahnen der Planeten unseres Sonnensystems.

Das Kosmos Theater in der Wiener Siebensterngasse führte bis Mitte Oktober mehrmals hinter einander Juli Zehs Theaterstück „Good Morning, Boys and Girls“ auf. Das Stück stammt aus dem Jahr 2010 und thematisiert die verschiedenen Attentate, die von Schülern und Schülerinnen an diversen Schulen weltweit durchgeführt wurden und die zum Teil hohe zweistellige Opferzahlen forderten. Hauptfigur ist der 16jährige Jens, von dem der Zuseher bzw. die Zuseherin lange Zeit glaubt, er wäre es, der ein Attentat durchführen würde. Jens´ Hintergrund wird beleuchtet, seine Eltern kommentieren rückblickend seine Entwicklung und ihre eigene Bestürzung. Auch seine Freunde kommen durch eingeschobene Dialoge aus der Vergangenheit (es sind Onlinefreunde, mit denen Jens für Kampfspielwettbewerbe trainiert) zu Wort, am häufigsten die ebenfalls 16jährige Susanne, die es später überraschenderweise sein wird, die ein Attentat an ihrer Schule durchführt, das auf Jens´ Planung basiert. Jens fällt diesem Attentat zum Opfer.

Die Inszenierung im Kosmos basierte sehr stark auf tänzerischen Elementen, die Darstellung war häufig verfremdet, die Figuren sprachen nicht direkt miteinander und verdeutlichten so, dass ein echtes Gespräch zwischen ihnen nicht möglich ist. Auch die Rolle der Medien wird kritisch thematisiert. Der Inszenierung mangelte es leider an dramatischer Dringlichkeit, durch die Verfremdungselemente wurde der Künstlichkeitsfaktor erhöht, ein Mitleben der Zuseher und Zuseherinnen wurde so erschwert, ob die Inszenierung so zu kritischerem Nachdenken verholfen hat, darf bezweifelt werden. Den Studenten und Studentinnen war das Stück bekannt, es wurde im Lehrgang mit verteilten Rollen gelesen und auch besprochen.

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Text und Fotos: Jürgen Neckam

 

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