Projekt Industrie 4.0

Seit Oktober 2017 läuft an der PH Wien ein Projekt mit dem Titel „Industrie 4.0“, das von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Instituts für Berufsbildung getragen und im Herbst 2020 zum Abschluss kommen wird.

Das Projekt, das im Sommer 2016 im BMBWF eingereicht und von diesem im Dezember 2016 genehmigt wurde und an welchem Stefan Illedits, Erick Hackl, Georg Jäggle und Erich Mohl vom IBB und Ralph Dreher von der PH NÖ / Universität Siegen beteiligt sind umfasst zwei Themenbereiche:

  • Industrie 4.0 und deren Implikationen auf die Curricula der Höheren technischen Lehranstalten (HTL) und Maschinenbau (MB) und Automatisierungstechnik (AT)
  • Entrepreneurship

Ersteres wird von Erich Mohl geleitet, Zweiteres von Ralph Dreher.

Unter Industrie 4.0 wird die vierte Industrielle Revolution verstanden, deren Auswirkungen bereits spürbar sind und die Arbeitswelt innerhalb weniger Jahre völlig umgestalten wird. Dies ist dem Zusammenspiel von Kunden, Produzenten und Maschinen zu verdanken, das sich bis hin zur Echtzeit beschleunigt hat, das aber andererseits auch große, sich laufend verändernde Datenmenge beinhaltet, die Änderungen und Anpassungen für Produktwünsche umgehend möglich machen. Diese Veränderung der bisherigen Kette von Kundenwunsch - Auftrag - Ausführung bringt für alle Beteiligten Veränderungen und zwar nicht nur für diejenigen, die in der ersten Reihe stehen, sondern auch für die mittelbar Beteiligten wie Ausbilder und Ausbilderinnen.

Es stellen sich daher grundlegende Fragen, die auch die Schule betreffen:

  • Wie wird sich die Ingenieurdidaktik durch die Digitalisierung in den Fachrichtungen Maschinenbau und Automatisierungstechnik verändern?
  • Welche didaktischen Maßnahmen sollen zukünftig aufgrund der zunehmenden Digitalisierung im fachtheoretischen und -praktischen Unterricht gesetzt werden?
  • Welche (Fach-, Methoden-, Sozial-, Personal-/ Selbst-) Kompetenzen sind durch den Einfluss der Digitalisierung bei einem HTL-Ingenieur zukünftig erforderlich?
  • Wie (schul-)autonom werden (können) Höhere technische Lehranstalten auf die zunehmende Digitalisierung in den Ausbildungen reagieren?
  • Welche Maßnahmen (didaktisch, methodisch, organisatorisch, budgetär) werden in den Höheren technischen Lehranstalten notwendig sein, um "industrienah" auszubilden?

Um diese Fragen beantworten zu können, verfolgt das Projekt zunächst zwei Hauptziele: die Untersuchung der Veränderungen in der Ingenieurdidaktik sowie deren didaktische Charakteristika einerseits. Andererseits die Einbindung der veränderten Ingenieurdidaktik in die Curricula der Pädagogen- und Pädagoginnenbildung.

Die Dringlichkeit dieser Zielsetzung steht außer Frage. Unterschiedliche Untersuchungen bestätigen, dass in Zukunft neue Berufe, Berufsbilder und Berufsfelder entstehen werden, die ein noch stärkeres Maß an lebenslangem Lernen und deutlich höhere IT-Kompetenzen verlangen als es bisher der Fall ist.

Die Untersuchungen basieren auf insgesamt 18 Experten- und Expertinneninterviews. Studierende der PH Wien können im Rahmen von BAC-Arbeiten die Forschungsergebnisse für weiterführende Untersuchungen im Rahmen der Ingenieurdidaktik verwerten und einzelne didaktische Ansätze in der Berufsbildung anwenden.

Für den Bereich Entrepreneurship ist ausschlaggebend, dass durch die Industrie 4.0 ein völlig neuer, bisher nicht erfassbarer Arbeitsmarkt entsteht, und zwar der des netzintegrierten Auftragsfertigers. Es handelt sich dabei nicht um einen Markt von Minderqualifizierten, im Gegenteil. Getrieben von gegenseitiger Konkurrenz und Abhängigkeitsverhältnissen innerhalb des wirtschaftlichen Ablaufes entsteht ein Niedriglohnmarkt für Hochqualifizierte, deren Aufgabe es ist, durch eine singuläre Produktionseinheit flexibel und hochgradig bedarfsgerecht eine Teileproduktion zu realisieren. Es entsteht eine Entinstitutionalisierung, an deren Ende einzelne Facharbeiter und –arbeiterinnen als Mikrounternehmer und –unternehmerinnen sich in einem hochkonkurrenten Netzwerk wiederfinden.

Die Auswirkungen dieses Vorgangs werden an der Vielschichtigkeit der Zielgruppen deutlich:

  • Facharbeiter und Facharbeiterinnen
  • Ausbilder und Ausbilderinnen
  • Lehrkräfte
  • Lehrerbildner und –bildnerinnen
  • Bildungsadministration

All diese Gruppen sind von den Veränderungen durch die Industrie 4.0 betroffen und werden sich ihr anpassen müssen.

Der Entrepreneurship-Teil des Projekts basiert auf einer Sektoranalyse an typischen Produktionsstandorten in Österreich.

Das Projekt endet im Herbst 2020. Derzeit laufen die Analyse und die Auswertung der Experteninterviews. Bis 30. Juni 2018 werden mittels Online-Fragebögen technische Lehrkräfte des fachtheoretischen und -praktischen Unterrichts an HTLs befragt sowie in Experten-Interviews rund 40 Quereinsteiger und Quereinsteigerinnen (in HTLs) mit technischen Ausbildungen (Dipl. Ing. der TUs bzw. FHs und Ingenieure, Meister etc.) sowie zu den Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 rund 40 Techniker und Technikerinnen, die ausschließlich in Industrie, Gewerbe etc. tätig sind (und nicht im Schulbetrieb stehen).

Der Antrag zum Projekt stellt bedauerlicherweise zu Recht fest, dass es österreichweit seit Jahren keine Plattform für die Veröffentlichungen aus der Berufspädagogik gibt, weswegen die Veröffentlichungen, die sich aus dem Projekt ergeben, für internationale Konferenzen im Bereich Professionalisierung- und Ingenieurdidaktik in Deutschland und der Schweiz vorgesehen sind.

 

Text: Dr. Jürgen Neckam

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