Wiener Klassenzimmertheater

Das Wiener Klassenzimmertheater gastierte am 28. April 2015 mit seinem Stück „Money makes the world go round“ an der Pädagogischen Hochschule Wien. 

Im Rahmen der Lehrveranstaltungen zu „Wirtschaftskunde und Schriftverkehr“ und „Deutsch und Kommunikation“ unter der Leitung von Gerald König, Peter Haas und Jürgen Neckam bekamen die rund 20 Studenten und Studentinnen der Berufsschulpädagogik ein Stück über Bankgeschäfte und deren Hintergründe zu sehen.

Thematisiert wurden dabei Konsumrausch, Gier, offene Lebenswünsche und auch wirtschaftliche Fakten wie der Umstand, dass 90 Prozent unseres Geldes nur digital existiert. (Banken haben bestenfalls 10 Prozent der von ihnen ausgegebenen Summe real im Tresor als Gegenwert.) Das Stück ist vom Klassenzimmertheater für Schüler und Schülerinnen ab 15 Jahren erarbeitet worden. Die äußere Handlung besteht in der Beschreibung der Beziehung zwischen Hannes und Eva, die sich bei einem Rock-Festival kennen lernen und danach beschließen, eine "gute" Bank zu eröffnen. Dabei könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Hannes ist Banker, Eva eine klassische junge Weltverbesserin. Am Ende des Stücks bleibt allerdings unklar, ob Hannes und Eva tatsächlich edle Absichten haben oder nur auf eine besonders schlaue und moralisch besser aussehende Art versuchen, ihre Kunden zu werben und über den Tisch zu ziehen.

Das Wiener Klassenzimmertheater steht unter der Leitung von Dana Csapo, die bei den Stücken auch Regie führt. Neben „Money makes the world go round“ bietet das Klassenzimmertheater für die Gruppe der Berufschüler und -schülerinnen auch „Ich Komma Saufen“ an, ein Stück, das sich um einen Alkoholiker dreht und dessen Freunde, die aufgrund ihres Suchtverhaltens im Leben gescheitert oder zu Tode gekommen sind. „Ich Komma Saufen“ ist daher auch das Stück, das Schüler und Schülerinnen direkter anspricht und innerlich mehr packt. „Money …“ lebt zu einem großen Teil von der Verflechtung der Wirtschaft und der Finanzen mit dem Leben der Menschen. Packend ist das Stück dann, wenn die Beziehung zwischen Hannes und Eva rekapituliert wird oder wenn Zuseher und Zuseherinnen direkt angesprochen werden, etwa wenn es um ihre Wünsche geht oder was sie mit einer großen Summe Geld machen würden, wenn sie diese geschenkt bekämen. Was bei den Schülern und Schülern viel auslöst, ist die Besprechung des Stücks im Nachhinein, die das Klassenzimmerteam (Dana Csapo und die Darsteller/innen Dinah Passos und Thomas Weilharter) in der Klasse durchführt. Dabei treten, laut Csapo, mitunter Emotionen und plötzliche Einsichten zu Tage, die durchaus überraschen.

Das Klassenzimmertheater greift hier auf zwei wesentliche Affekte zurück, die schon in der antiken griechischen Dramatik wichtig waren: Furcht und Schrecken. Beides führt beim Publikum zu einer seelischen Erschütterung und dadurch zur Einsicht. Und darin liegt der Wert des Theaters für die Schüler und Schülerinnen: in der bildhaften Darstellung von Problemen, die Jugendliche beschäftigen, im In-Gang-Setzen von tiefergehenden Gedanken zu einem Thema, im Anbieten von Lösungen und natürlich: in der Unterhaltung. Oder, wie von Horaz abgeleitet: prodesse et delectare – nützen und erfreuen!

Das Klassenzimmertheater hat, da es sich um eine Aufführung für Pädagogen und Pädagoginnen handelte, gratis gespielt. (Üblicherweise beträgt der Beitrag 5 EUR pro Schüler und Schülerin.) Die Studenten und Studentinnen haben beschlossen, das bereits eingesammelte Geld den Opfern der Erdbeben in Nepal zu spenden.

Dr. Jürgen Neckam

Weiterführende Infos:
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