Rückblick:Veranstaltung „Positionen“ (Ludwig Duncker)

Rückblick auf den Workshop mit Ludwig Duncker (Gießen)

 

L. Duncker richtet sein Forschungsinteresse nicht speziell an KunsterzieherInnen, sondern an alle Lehrpersonen. Bildliteralität, wie er sie versteht umfasst ein mögliches Ganzes schulischer Lernprozesse. In seiner Präsentation mischte er Präsentationsformate mit kleinen Aufgaben, in Schulbüchern und Magazinen Bilder „anders lesen zu lernen“. Diese Sensibilisierung deutet im umfassenden Sinn darauf hin, die Schule nicht als platonische Höhle zu interpretieren, in der wir uns von den Schatten als vermeintliche Wirklichkeit an der Nase herum führen lassen. 

Der Hinweis auf Platon ist dabei  keinem Zufall geschuldet. Platons Politeia kann wohl als Beginn einer Betrachtung Ästhetischer Bildung betrachtet werden, die mit Schiller, Humboldt, Hegel, Hölderlin vermutlich ihre moderne Begründung und Prägung erhielt. Modern formuliert ist Ästhetische Bildung Bildung der Sinne, vor allem aber der Phantasie und des Gefühls. Das Ästhetische ermöglicht Übergänge zwischen der Rationalität und dem Handeln.  Kein Wunder daher, dass es pädagogische und didaktische Implikationen nach sich zieht, denen sich das umfassende Forschungswerk Ludwig Dunckers widmet. Ästhetische Bildung, besser vielleicht ästhetisches Bilden, gehört daher für ihn zu einer Zielperspektive pädagogischen Handelns, dadurch wird es zur Bildung selbst. 

 

Folgende Fragen stehen dabei im Interesse:

  1. Wird der Perspektive des ästhetischen Lernens angesichts von Standardisierung und Kompetenzwahn noch berücksichtigbar?
  2. Schränkt die Perspektivierung nur auf kognitiv erfassbare Lernziele, wie wir sie heute mehr denn je erleben, nicht jene bildenden Momente  des Lernens  und Erfahrens ein?
  3. Sollte man nicht angesichts der immer größer werdenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler mehr als bisher auf die soziale Dimension bildenden Lernens setzen?

Hier kann kein Gegengeschäft verrechnet werden, bildendes Lernen und Erfahrung gegen Kompetenzen in anderen Domänen gegeneinander auszuspielen. Ohne Wahres, Schönes und Gutes  anthropologisch gesehen, beraubt man den Menschen um seine ihm möglichen bildenden Erfahrungen. Für Lehrerbildung heißt dies zu vermitteln, dass ohne ästhetische Bildung Schule und Unterricht die Anstrengung des Subjekts sich zu bilden systematisch unterläuft. Der vergessene oder nicht beachtete Zusammenhang des Idealismus, dass ästhetische gebildete Menschen miteinander anders umgehen, könnte in sozial dürftigen Zeiten die Entsolidarisierungsprozesse mildern, sie machte auch die Schule für alle dort arbeiteten Menschen mehr zu einem Ort der proportionierlichen Entfaltung ihrer Kräfte zu einem Ganzen (Humboldt).

Heribert Schopf

Vorschau: Im Herbst wird es wieder zwei Veranstaltungen unserer Positionen geben. Erwartet werden Michael Sertl und Angelika Paseka und Arnim Bernhard und Eva Borst


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